Wie lange darf man tot sein?

Wie lange darf man tot sein?

Bei einem Friedhofsbesuch sind mir an vielen Grabsteinen amtlich aussehende Aufkleber aufgefallen. Warum wurden sie aufgeklebt? Ich bin der Frage nachgegangen. 

„Ablauf des Nutzungsrechtes. Bitte melden Sie sich bei der Friedhofsverwaltung“ – es ist davon auszugehen, dass der Aufruf sich an die Familie und Verwandte richtet, denn der Verstorbene kann sich bekannterweise nur schlecht persönlich melden. Die Nüchternheit der Amtsprache wirkt dabei ein wenig befremdlich. Schade, dass man sich mit der Formulierung kaum Mühe gemacht hat. Aber das nur am Rande, denn mich interessierte, wann und warum so ein Zettel auf ein Grab aufgeklebt wird.

Ruhen in Frieden: Mit Ablaufdatum

Bei der Recherche auf den Seiten der Friedhofsverwaltungen entdeckte ich die Regelung der Ruhefristen. Mit Ruhefrist ist der Zeitraum gemeint, in dem eine Grabstelle oder Urnengrabstelle nach einer Beisetzung nicht neu belegt werden darf. 

Nach Ablauf dieser Frist kann die Nutzung in den meisten Fällen gebührenpflichtig verlängert werden. Geschieht es nicht, wird das Grab aufgelöst und für eine neue Bestattung freigegeben. Auch die Grabauflösung ist nicht umsonst. Die Kosten dafür tragen die Hinterbliebenen. Die bei der Auflösung eventuell noch vorhandenen Überreste werden entfernt und häufig an einer Sammelstelle auf dem Friedhof vergraben. 

Wie lange man nach dem Tod seine Ruhe hat, dass ist Sache der Bundesländer, z.B. Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg und Hessen 15 Jahre, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen 20 Jahre und im Saarland ist das „Eintrittsalter“ entscheidend. 

Besondere Grabstätten dürfen erhalten bleiben. Eine Patenschaft macht es möglich.

Doch für manche Gräber gilt die Regelung der Ruhefristen nicht. Auf vielen Friedhöfen finden sich denkmalgeschützte Grabstätten, die aufgrund ihrer künstlerischen und historischen Bedeutung zu erhalten sind. 

So gibt es zum Beispiel auf dem Frankfurter Hauptfriedhof die Möglichkeit eine Grabpatenschaft zu übernehmen. Als Pate kann man helfen, eine denkmalgeschützte Grabstätte, für die zurzeit kein Nutzungsrecht besteht, zu erhalten. 

Die Aufgabe des Paten ist, die Grabstätte, einschließlich der denkmalwerten baulichen und gärtnerischen Anlagen, zu restaurieren und instand zu halten. Dabei soll sie nicht umgestaltet, sondern den ursprünglichen Charakter erhalten oder so weit als möglich wiederhergestellt werden. Die hier Beigesetzten dürfen also bis auf weiteres in Ruhe tot sein.

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