Eigene Wege gehen – auch bei der Trauerfeier

Eigene Wege gehen – auch bei der Trauerfeier

„Hinterlasse ich eigentlich eigene Spuren oder laufe ich nur auf den Trampelpfaden der Gesellschaft?“ diese Frage stellte mein Kollege vor zwei Wochen in den Raum. Eine bedenkenswerte Frage auf die meisten Menschen gerne mit „ich gehe meine eigenen Wege“ antworten würden.

Ich auch, um ehrlich zu sein. Wer will schon stromlinienförmig angepasst sein? Das erinnert doch fatal an Spießigkeit und vernünftige Anpassung.

Interessanterweise hört für viele Menschen spätestens nach dem Tod die Individualität auf und die Trauerfeiern nach hergebrachtem Schema gestaltet werden. Das liegt zum Einen daran, dass der Verstorbene keine konkreten Wünsche zur Ausgestaltung seiner letzten Feier geäußert hat und zum anderen daran, dass eine große Unsicherheit darüber herrscht, welcher Rahmen für Trauerfeiern angebracht ist.

Persönliche Trauerfeier
So individuell wie das Leben, so einzigartig kann der Abschied gestaltet werden.

Ich frage deshalb meistens die Angehörigen, was sie mit der Trauerfeier für sich und die anwesenden Gäste erreichen möchten. Trauerfeiern sollen eine Würdigung der Verstorbenen sein, und den Hinterbliebenen, den Angehörigen und Freunden die Möglichkeiten geben, ihren eigenen Weg durch die Trauer hindurch zurück ins Leben zu finden. Doch kann dieser Weg gelingen, wenn die Feier in Texten, Liedern, Anzeigen und Blumenschmuck nicht zu der Person passen, die da verabschiedet werden muss?

Im letzten Jahr habe ich viele Familien betreut, die für die Beisetzung einer lieben Person sorgen mussten. Viele der Verstorbenen waren hoch betagt und hinterließen ihre eigenen Spuren im Leben. Häufig waren die Herrschaften bis zum Schluss unangepasst und neugierig, viele konnten ihr Leben selbst gestalten. Zu Ihnen hätte keine 08/15-Trauerfeier gepasst. Deshalb habe ich die Angehörigen ermutigt, auch bei der Trauerfeier eigene Wege zu gehen, mit der Musik, mit der Trauerrede, mit den Anzeigen und allem was sonst so zu einer Beisetzung gehört. Für mich gehört das zur Würdigung und zur Verabschiedung der Verstorbenen dazu – die letzte Feier ihres Lebens so zu gestalten, dass sie auch nach dem Tod als eigenständige Personen wahr genommen und respektiert werden.

Danke Frau Leoni Heister für den Gastbeitrag.

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